von Klaus
Aufstellungen kommen ursprünglich aus der Familientherapie. Ab Mitte der 90er Jahren sind sie hauptsächlich durch Bert Hellinger unter dem Namen Familienstellen bekannt geworden. Heute werden sie in Fachkreisen als Systemaufstellungen bezeichnet, weil sie inzwischen in allen Bereichen, z. B. auch im Buisines Coaching eingesetzt werden und eben nicht nur im familiären Zusammenhang.
Es gibt viele Wurzeln der Aufstellungsarbeit. Die drei wichtigsten Protagonisten sind Virginia Satir, eine Begründerin der systemischen Therapie. Thea Schönfelder, eine Psychiaterin, die wohl die Grundlagen für das heutige Aufstellen gelegt hat. Und schließlich Bert Hellinger, der aus den Einflüssen der beiden vorgenannten seine eigene Variante kreierte und der diese Art der Gruppentherapie in der ganzen Welt bekannt gemacht hat.
Bert Hellinger stand allerdings auch in der Kritik, wegen seines autoritären und teilweise grenzüberschreitenden Therapiestils. Ich selbst achte seine Leistung und sehe ihn auch als Teil meiner Wurzeln an, aber ich grenze mich von seinen autoritären Interventionen ab.
Die Aufstellung kommt ursprünglich aus Gruppentherapie, wird aber inzwischen auch in der Einzeltherapie eingesetzt. Heute will ich nur über die Gruppenarbeit sprechen. Man kann heute nicht mehr von einer einheitlichen Art der Aufstellung sprechen. Inzwischen gibt es so viele Varianten, Einsatzgebiete und Schulrichtungen, und zudem ist die Methode so kreativ und abwechslungsreich, so dass jeder Aufstellungsleiter mit der Zeit seinen eigenen Stil kreiert und das ist auch gut so.
Aufstellungen gehören als Methode zur systemischen Therapie, die davon ausgeht, dass das Problem nicht nur eine Einzelperson hat, sondern das ganze Beziehungssystem mit betroffen ist. Dieses System hängt zusammen, wie die Figuren eines Mobiles. Das heißt, wenn sich eine Figur bewegt, dann bewegen sich alle anderen mehr oder weniger mit. Aus dieser Sichtweise tritt das Problem des Systems im Klienten an die Oberfläche. Man arbeitet deshalb viel mehr am Erkennen und Verändern der Beziehungen im System und an dem, wie der Klient seine Rolle in eben diesem System verändern kann.
Der Ablauf einer Aufstellung bei mir läuft in etwas folgendermaßen ab:
Am Anfang setzen sich der Aufstellungsleiter und der Klient zusammen und besprechen das Anliegen ausführlich und dann bestimme ich aus meiner Erfahrung heraus, welche Elemente in der Aufstellung gewählt werden. Für den Klienten wird auch zuerst ein Stellvertreter gewählt, so kann er das Geschehen erst einmal von außen verfolgen und quasi mit Abstand auf sich schauen. Meiste lasse ich ihn die Rolle mit seinem Stellvertreter tauschen, wenn sich eine Lösung abzeichnet, denn dann kann dies der Klient für sich besser erleben.
In der Familientherapie waren alle Stellvertreter natürlich Familienmitglieder. Heute wird der Begriff weiter gefasst und man sagt zu den Stellvertretern eher Elemente. Ich würde sagen ein Element kann alles sein, zu dem der Klient eine Beziehung hat, egal, wie sie aussieht. Da sieht man schon, wie weit der Bogen gespannt ist. Natürlich sind da vor allem Menschen aller Art. Aber ich habe auch zu meinen Gefühlen eine Beziehung- Ich mag zum Beispiel meine Angst oder Wut nicht. Also kann ich die Angst als Element wählen. Aber auch komplexe psychische Strukturen, wie der innere Kritiker, Krankheiten, Organisationen, berufliche Teams, Projekte, Orte und Dinge können Elemente sein. Vielleicht hat mein Haus keine Beziehung zu mir, aber ich zu ihm, aber auch Abstraktes, wie die Liebe, den Tod, Deutschland sind Möglichkeiten. Interessant ist noch, dass auch Personen gewählt werden können, die schon verstorben sind. Denn Probleme im Familiensystem sind oft über Generationen gewachsen und so beeinflussen unsere Wurzeln unser heutiges System immer noch.
Wenn alle Elemente bestimmt sind, wählt meist der Klient aus den anderen Gruppenmitgliedern nach Gefühl Stellvertreter für die entsprechende Rolle und stellt sie dann im Raum nach seinem Empfinden auf. So erhalte ich sozusagen ein Raumbild des inneren Bildes des Klienten vom System.
Und dann kommt das, was Systemaufstellungen so spooky macht. Die Stellvertreter, die noch nie etwas von der jeweiligen Person oder Element gehört haben, können sich fast 1:1 in die jeweilige Person hineinfühlen, was bis zu Körperhaltungen, Redewendungen oder Körperschmerzen gehen kann. Keine Sorge, die Stellvertreter sind nicht besessen. Das heißt die Persönlichkeit des Stellvertreters ist immer noch da. Mein Ausdruck ist, dass sie Zusatzgefühle für diese Rolle bekommen und dann auch aus diesen Zusatzgefühlen heraus handeln können. Hier kommt dann oft der Vorwurf das dies Hokus Pokus ist. Aber es gibt schon seit 2004 eine ausführliche wissenschaftliche Untersuchung von Dr. Peter Schlötter, die sehr schlüssig beweist, dass diese Wahrnehmungen auch reproduzierbar sind und von verschiedenen Menschen fast gleich wahrgenommen werden. Hier geht es zu dem Video dazu.
Das heißt aber, dass ich alle betroffenen Personen und Elemente vor Ort habe, ohne dass die realen Personen vor Ort sind. Und dennoch kann ich über die Stellvertreter arbeiten und so eine Lösung, eine Erkenntnis oder eine Gruppendynamik für den Klienten erarbeiten.
Durch Befragen der einzelnen Elemente erhält der Klient erst einmal einen Überblick über die Dynamik in seinem System. Die Stellvertreter können sich natürlich auch bewegen, fühlen sich zu anderen hingezogen, wollen vielleicht Abstand nehmen usw. Jetzt kommt die Arbeit des Aufstellungsleiters, der versucht neue Impulse im System zu setzen. Dies kann durch eine eventuelle Umgruppierung, durch Satzvorschläge, die die Stellvertreter zueinander sagen oder durch Hereinnahme von bisher nicht als wichtig erachteten Elementen passieren. So können in der Aufstellung lange verschwiegenes ausgesprochen werden, verdeckte Bedürfnisse gezeigt und lange überfällige Annäherungen hergestellt werden. So können oft neue und auch oft überraschende Lösungen gefunden werden.
Wichtig dabei ist, dass alles immer im Kontakt und auch in Zusammenspiel mit dem Klienten stattfindet. Dies war eben eine aus meiner Sicht berechtigte Kritik an Bert Hellinger, der Klienten oft seine Sicht der Dinge übergestülpt hat und damit die wichtigste Person im Raum übergeht – den Klienten. Ich kann den Klienten nur so weit begleiten, wie er auch gehen kann, auch, wenn ich vielleicht noch weiterführende Schritte im Sinn habe.
Aufstellungen sind eine hocheffiziente Therapie und Coachingtool, dass aber auch mit Bedacht, Erfahrung und nach guter Ausbildung eingesetzt werden sollte. Ich selbst bin Lehrtherapeut der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellung. Dort versuchen wir für die Arbeit am Menschen, wie auch in der Ausbildung Qualitäts- und Ethikstandards zu setzen, denen sich alle Mitglieder verpflichten müssen.
Wenn du dich für eine Aufstellung interessierst, dann schau doch auf unsere Homepage. Dort findest du alle Termine dazu.
Liebe Grüße
Klaus
