Unser Autobewusstsein


Unser Autobewusstsein

Autobewusstsein„Ich fahr mal schnell eine Pizza holen.“ „Jetzt hab ich meinen Terminkalender im Büro vergessen, ich fahr ihn mal schnell holen.“ Jeder von uns kennt solche oder ähnliche Sätze und für fast jeden von uns ist auch klar, wie er diese Fahrten erledigt – mit dem Auto. Auch für mich war das bis zum Sommer so. Jede Klein- und Besorgungsfahrt wurde mit dem Auto erledigt. Die Zeit und unerledigte Aufgaben drängen ja auch immer im Hintergrund und so fährt man mit dem schnellen Auto. Und so verankert es sich in unserem Geist – Fortbewegen = Auto fahren. Ich bin meinem Freund und Tai Chi Lehrer Thomas Huber  ( sein Blog www.wagenlos.wordpress.com) dankbar, dass er im Frühjahr sein Auto verkaufte und mit der Familie auf Pedelecs umsattelte. So hat er mich quasi angesteckt und ich fing an mein Fahrrad wieder zu benutzen und die meisten Fahrten in die Arbeit mit ihm zu machen.

Man muß dazu sagen, dass ich Fahrradfahren schon als Kind nicht so mochte. Abwärts einfach schön, aber aufwärts anstrengend. Deshalb hab ich mich vor dem Strampeln bis jetzt immer innerlich gewehrt. Aber es stellte sich heraus, dass die Strecke (obwohl in eine Richtung aufwärts) mit zwei kurzen Schiebeeinheiten gut zu bewältigen ist. Wie gesagt war das Fahrrad nur für meine Fahrt in die Zukunftswerkstatt Amberg zuständig. Alle anderen Kleinfahrten erledigte ich nach wie vor mit dem Auto. Eines Tages war wieder eine Kleinigkeit im Kühlschrank aus, die ich aber für ein Rezept brauchte und ich dachte mir: „Na, das hole ich mal eben schnell.“ Und ich merkte, es war klar, ich nehme das Auto. In dem Augenblick fragte ich mich aber: „Wieso eigentlich?“ Was hindert mich daran das Fahrrad zu nehmen? Nur die Gewohnheit und die geistige Fixierung – Fortbewegen = Auto fahren. Dies wurde mir in dem Augenblick ziemlich klar. Mein Bewusstsein war auf diesen Zusammenhang fixiert und hatte Alternativen gar nicht mehr im Blick.

Ich beschloß also diese Fixierung zu lösen und stattdessen Fortbewegen = Fahrrad fahren zu installieren. Wer sich schon mal mit Psychologie befasst hat, der weiß, dass man fest verankerte Glaubenssätze nicht so einfach von seiner Festplatte mit Namen Gehirn löschen kann. Natürlich ging das bei mir auch nicht so ganz einfach. Bei jeder Kleinfahrt merkte ich, wie ich eigentlich innerlich erwartete mit dem Auto zu fahren und ich mich quasi überreden mußte mit dem Fahrrad zu fahren. Und es kamen die vielen kleinen inneren Stimmen, die da auf mich einredeten: „Mit dem Fahrrad brauchst du doch viel zu lang“, „Das ist doch viel zu anstrengend“, „Na die kurze Strecke mit dem Auto macht doch nichts, da verbraucht man ja fast nichts,“ usw. Aber ich blieb dabei und fuhr auch weiter alles mit dem Rad und so langsam stellt sich derzeit ein Gleichgewicht her. Fortbewegen = Fahrrad oder Auto fahren.

Ich möchte für mich auch jetzt kein Dogma daraus machen. Jetzt ist es Herbst und im Winter wird das Auto denke ich wieder mehr zum Einsatz kommen. Ich werde da mal schauen, wo die technischen (Schnee) und körperlichen (Kälte) Grenzen bei mir so sind. Eine Qual soll dann auch nicht daraus werden, Nachhaltigkeit hin oder her. Übrigens meine ganzen inneren Argumente, die ich oben aufgezählt habe, stimmen alle nicht oder nicht so dramatisch. Ich brauche für meinen Weg zur Arbeit hin 7,5 min und zurück (der Berg) 10,5 min. Das sind im Durchschnitt für die einfache Strecke gerade mal 3 Minuten mehr, als mit dem Auto, das ist kaum der Rede wert. Die Anstrengung hält sich auch in Grenzen, denn die steilen Stücke schiebe ich. Schließlich habe ich in einer Radiodiskussion gehört, dass wir 15% unseres Energieverbrauchs mit dem Auto einsparen könnten, wenn wir alle Kurzstrecken mit dem Rad zurücklegen würden. Das wären immerhin 4,5% unseres Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland. Und das alles nur, weil wir die Brötchen vom Bäcker um die Ecke mal eben mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto holen. Diese Zeilen sind übrigens hauptsächlich für Stadtbewohner geschrieben, denn wer wirklich auf einem kleinen Dorf wohnt, für den ist der Gang zum Bäcker meist mit einer Fahrt in die nächste Stadt verknüpft. Aber in Deutschland leben 85% (2005) der Menschen in Städten und dort ist das eben leicht umsetzbar.

Ich denke, wenn ich den Pfad so weitergehe, dann wird sich irgendwann einstellen Fortbewegen = Fahrrad fahren. Deutschland ist einfach Autoland und wir haben alle ein Autobewusstsein entwickelt. Wir werden, wenn wir wirklich Veränderung wollen hier ein Fahrrad- und Fußgängerbewusstsein hervorbringen müssen. Diese Veränderung muß aber in unserem Hirn und in unserem Herz stattfinden. Darum mein Vorschlag – beobachtet euch doch mal bitte bei eurer täglichen Fortbewegung. Was tut ihr in eurem Geist, wenn ihr „mal schnell“ was holt? Macht es euch zumindest bewusst, damit ihr dann auch bewusst entscheiden könnt, wie ihr euch fortbewegt.  In diesem Sinne, viel Spaß beim Forschen.

Euer Klaus

Kategorien:Bewusstsein, Fahrrad, Nachhaltigkeit, PsychologieSchlagwörter:, , , , ,

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