Ein paar Gedanken zur Nachhaltigkeit


Ein paar Gedanken zur Nachhaltigkeit

Das Wort wird ja heutzutage gern in den Mund genommen und auch wir in der Zukunftswerkstatt Amberg bemühen uns nachhaltig zu arbeiten, aber ich möchte hier zu dem Begriff ein paar Anmerkungen machen.

Das Wort Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft, bei der in der geschichtlichen Entwicklung zuerst klar wurde, dass der Verbrauch höher lag, als auf natürliche Weise nachwuchs. Aus diesen Erkenntnissen entstand dann die Forstwirtschaft, wie wir sie heute kennen, in der geschlagenes Holz wieder aufgeforstet wird, so dass der „Nachschub“ gesichert ist.

Nachhaltigkeit bedeutet also kurz zusammengefaßt, dass ich nicht mehr verbrauche, als ich habe. In der umgangssprachlichen Definition geht es dabei vor allem um materielle Ressourcen (Metalle, sonstige Bodenschätze, Öl, Boden, Wasser, Luft usw.) und Energie (Strom, Wärme, Antriebsenergie). Das würde für unsere Gesellschaft bedeuten, dass nur soviel Ressourcen und Energie verbraucht werden, wie im Land selbst wieder zur Verfügung gestellt werden können. Wenn man den Bogen weiter spannen will, muß dies zumindest auf die gesamte Erde zutreffen. Wenn man sich das vor Augen hält, dann wird schon klar, dass wir wirklich meilenweit davon entfernt sind, denn unser derzeitiges Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell ist darauf ausgelegt möglichst VIEL zu verbrauchen, um es dann wieder nachkaufen zu können und so das Wirtschaftswachstum am laufen zu halten.  Denn wie das Wort schon sagt – Wirtschaftswachstum ist eine Expansion, also eine Steigerung des Verkaufs und damit des Verbrauchs.

Und über die Jahrzehnte hat sich unser ganzes Leben, die Produktion unserer Lebensmittel, unserer Konsumgüter, unsere Mobilität usw. leider genau auf dieses MEHR eingestellt. Desweiteren ist hat unsere ganze Güterproduktion mehr oder weniger mit dem Verbrauch von Erdöl und mit einem hohen Energiekonsum zu tun. Kaum ein Artikel, in dem nicht Kunststoff verarbeitet ist, dass ja aus Erdöl hergestellt wird. Dazu werden über 40% des deutschen Energieverbrauchs von Industrie, Handel und Gewerbe verursacht (www.oekosystem-erde.de/html/energie.html). Wenn ich also ein normal hergestelltes Produkt kaufe, handle ich alles andere als nachhaltig. Demzufolge ist es einem Menschen, der nicht ganz aus der Gesellschaft aussteigen will, fast unmöglich wirklich nachhaltig zu leben.

Heutzutage kann man ja alles ausrechnen und so haben gescheite Menschen eine Einheit für den sogenannten ökologischen Fußabdruck geschaffen, den globalen Hektar (gha). Der ökologische Fußabdruck mißt die Summe der durch den Konsum von Waren, Energie und Dienstleistungen in einem Jahr in Anspruch genommenen Biokapazität, das heißt der produktiven Land- und Wasserflächen, gleich, wo auf der Welt diese Inanspruchnahme passiert. Das bedeutet, wenn ihr hier eine Banane kauft, dann wird die Produktion, der Landverbrauch, der Transport und alle damit verbundenen Prozesse hier eingerechnet, egal wo auf der Welt sie passieren.

Wenn man das dann auf die Weltbevölkerung umrechnet, steht jedem Erdenbürger 1,7 globaler Hektar zu Verfügung. In den 70er und 80er Jahren war das Gleichgewicht noch einigermaßen gewahrt, weil es einfach noch genug arme Länder gab, die einfach in dieser Weise fast nichts verbrauchten. Doch dank der glorreichen Verbreitung unseres Lebensstiles ahmt die ganze Welt den westlichen „way of life“ nach und so verbraucht die gesamte Erde pro Jahr (2012) 150% ihrer Ressourcen, die ihr eigentlich pro Jahr zustehen. Das heißt wir leben ein viertel Jahr auf Pump der zukünftigen Generationen.

Dabei gibt es natürlich zwischen den Ländern der Welt erhebliche Unterschiede. In Europa verbrauchen wir 4,7 globale Hektar, also das fast dreifache der Erde. Man könnte also sagen, das wir in Europa sogar drei Viertel eines Jahres auf Pump leben. Da wird dann schon klar, dass die Sache mit der Nachhaltigkeit schon nicht so einfach ist, denn um diesen irrwitzigen Faktor auszugleichen, müßten wir 75% unseres Verbrauchs weglassen.  Das ist ein ziemlich heftiger Wert und würde unsere ganze Konsumgesellschaft auf den Kopf stellen.

Doch selbst diejenigen unter uns, die sich einer nachhaltigen Lebensweise verbunden fühlen und auch ihr Leben einigermaßen danach ausrichten, haben es schwer. Denn dummerweise verbrauchen wir 1,5 gha pro Kopf, einfach dadurch, das wir als Mensch in diesem Land leben. Denn schon alleine indem ich in einem Haus wohne, wurde dies durch Ressourcen- und Energieverbrauch gebaut, ebenso die Straße, die Telefonleitungen (die auch da sind, auch wenn ich selbst kein Telefon habe) usw. So, jetzt habe ich schon als deutscher Staatsbürger fast meinen Weltanteil aufgebraucht und habe selbst noch nichts gegessen, bin nicht in die Arbeit gefahren und habe nicht geheizt. Und schon wird’s mit der Nachhaltigkeit, selbst für uns bekennende Öko\’s ziemlich schwierig. Eine Familie, die in einem energieeffizienten Haus wohnt, sorgsam mit Strom und Wasser umgeht, sich hauptsächlich bio und vegetarisch ernährt, kein eigenes Auto besitzt und sparsam im Konsum ist, verbraucht pro Kopf immer noch 3,2 gha.

Immerhin hat diese Familie es geschafft ihren Wert um 1,5gha zu reduzieren, was schließlich fast der Wert eines Menschen ist, wenn ich ihn in globalen Hektaren messe. Nicht schlecht, aber zuwenig, wenn ich an das Ganze denke. Diese Fakten habe ich übrigens aus der sehr zu empfehlenden Zeitschrift „Oya“ ( Nr. 18, S. 34, www.oya-online.de) und man kann sich sicher über diese Zahlen streiten. Aber selbst wenn ich dem Verringerunsfaktor unserer fiktiven Familie um 50% erhöhe, dann bin ich immer noch bei 2,5 gha und verbrauche somit einfach immer noch zuviel.

Soweit zu den Fakten, die eher deprimieren, mich jedenfalls. Da geht man jahrelang in den Bioladen und hat neben diesen tollen Lebensmitteln auch noch ein gutes Gewissen erworben und etwas für die Weltentwicklung getan und dann das. Mir geht es deshalb darum, hier klarzumachen, dass das persönliche Verhalten wichtig ist, denn schließlich wird durch jeden Bioeinkauf und jeden Ökostrom unser Wert an globalen Hektaren vermindert.

Aber um wirklich etwas zu verändern bedarf es zusätzlich eines wirklichen Systemwechsels. Die Veränderung besteht deshalb aus zwei Teilen. Erstens kann und muß sich jeder persönlich anstrengen und seine Lebensweise entsprechend verändern. Da gibt es viele Möglichkeiten, die ich hier in der Kolumne Stück für Stück aufzählen möchte. Zweitens ist aber eine Veränderung des Gesamtsystems nötig und damit sind wir bei gesellschaftlichen Veränderungen, die, wie wir alle wissen Zeit braucht, weil sie gleichzeitig Bewusstseinsveränderungen der Menschen sind. Deshalb ist es neben den persönlichen Bestrebungen wahrscheinlich unerläßlich, dass man sich zusammentut, um auch gesamtgesellschaftlich etwas zu bewirken. Ich halte für mich persönlich den Weg „von unten“, also aus der Bevölkerung heraus für den gangbareren. Wenn ich heute die Bio Branche ansehe, so sind einige der größten Firmen dadurch entstanden, weil die Gründer selbst solche Lebensmittel, Kleidung und Kosmetika endlich kaufen wollten.

Einen interessanten Ansatz zur Systemänderung, der sich auch im derzeitigen Wirtschaftssystem verwirklichen läßt, ist die Gemeinwohlökonomie (www.gemeinwohl-oekonomie.de) . Dort wird der Betrieb nach einem Qualitätskatalog daraufhin überprüft, wie stark der Betrieb für das Gemeinwohl arbeitet. Es werden wie bei einem Qualitätsmanagement die Menschlichkeit, die Solidarität, die ökologischen Nachhaltigkeit, die soziale Gerechtigkeit und die demokratische Mitbestimmung im Unternehmen durchleuchtet. Dann werden entsprechend Punkte verteilt, wobei der Optimalwert 1000 ist.  Derzeit machen in diesem Projekt auch größere Unternehmen, wie die Sparda-Bank München mit. Leider braucht dieser Prozeß Zeit, so dass ich dieses Projekt für die Zukunftswerkstatt Amberg erst im Jahr 2014 wirklich angehen kann.

Wir hier in der Zukunftswerkstatt Amberg versuchen deshalb auch in unserem bescheidenen Maße zur Nachhaltigkeit beizutragen. Und natürlich bewegen wir uns dabei in dem oben beschriebenen Spannungsfeld zwischen unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung und dem Ideal der Nachhaltigkeit.  Da unsere Räume angemietet sind, haben wir zudem auf Heizung und Dämmung des Gebäudes keinen Einfluß.

Unsere wichtigsten Elemente zur Nachhaltigkeit sind dabei:

Ökostrom von der Naturstrom AG
Nachhaltiges Büromaterial von der Memo AG
Ökologische Baumaterialien von strabello
Ökologisches und regionales Catering unserer Kursteilnehmer durch Edith Niebler
Sparsamer Stromverbrauch durch Beleuchtung und entsprechende Computer
Zusammenarbeit mit nachhaltig arbeitenden Banken

Ich hoffe meine Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit haben dir gefallen. Wenn dem so ist, dann kannst du gerne einen Kommentar dazu schreiben. Wenn du dich für meine Arbeit interessierst dann schau doch einfach auf unserer Homepage vorbei

Klaus-Ingbert Wagner

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